Ehrenmitglieder

Seit dem Jahr 2002 erhebt die Gesellschaft Mitglieder in den Stand von Ehrenmitgliedern, um ihre Verdienste für die systematischen Wissenschaften zu würdigen. Seitdem wurden sechs Wissenschaftler als Ehrenmitglieder gewählt.

Regine Jahn ist seit 2025 Ehrenmitglied der GfBS. Foto: privat

Dr. Regine Jahn 

(*1953)

Regine Jahn war zuletzt Oberkustodin für Algen am Botanischen Garten und Botanischen Museum Berlin (BGBM). Im Zentrum ihrer Arbeit stand die Sammlungsforschung an einzelligen Kieselalgen (Diatomeen), deren Taxonomie, Phylogenie, Biodiversität und Biogeographie noch immer wenig erforscht sind. Dabei verband sie stets wissenschaftliche Exzellenz mit dem Einsatz für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie klarem wissenschaftspolitischen Engagement und Vernetzung: So war sie Mitinitiatorin und Leiterin bedeutender Kooperationsprojekte, wie GBOL2 und Phyco-Bank, sowie Vorstandsmitglied bzw. Vorsitzende/Präsidentin in mehreren nationalen und internationalen Gremien/Gesellschaften. Als Gründungsmitglied und einzige Frau im Gründungsvorstand sowie erste Frau als Präsidentin (2007–2011) prägte sie unsere Gesellschaft für Biologische Systematik (GfBS) und trug zu ihrer heutigen Ausgestaltung bei. Auch im Ruhestand engagiert sie sich weiterhin aktiv in ihrem Forschungsgebiet am BGBM.

Die Laudatio anlässlich ihrer Ernennung wurde von Dr. Jonas Zimmermann, Leiter der Forschungsgruppe für Kieselalgen am Botanischen Garten und Botanischen Museum Berlin, seiner Kollegin Dr. Nélida Abarca und seinem Kollegen Wolf-Hennning Kusber anlässlich der Jahrestagung der GfBS 2025 in Hamburg verfasst. Siehe vollständige Laudatio (pdf) von Dr. Jonas Zimmermann, Dr. Nélida Abarca und Wolf-Hennning Kusber vom BGBM.

Susanne Renner ist seit 2025 Ehrenmitglied der GfBS. Foto: privat

Prof. Dr. Susanne S. Renner

(*1954)

Susanne Renner war Direktorin des Botanischen Gartens München-Nymphenburg, der Staatlichen Botanischen Sammlung und des Herbariums an der Ludwig-Maximilians-Universität München, an der sie zugleich den Lehrstuhl für Systematische Botanik innehatte. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf der Evolution der sexuellen Fortpflanzung, der Chromosomenbiologie von Landpflanzen (Embryophyta), der Biogeographie und Phylogenie sowie den Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und Tieren. Durch die Integration verschiedener Methoden und Datenquellen verfolgt sie einen ganzheitlichen Ansatz, um biologische Prozesse aufzudecken und die Evolution der Pflanzenvielfalt zu verstehen. Sie gründete das DFG-Schwerpunktprogramm Taxonomics, das innovative Methoden in der taxonomischen Forschung entwickelte und zahlreiche Systematiker und Evolutionsbiologen ausbildete. Seit ihrem Eintritt in den Ruhestand setzt sie ihre Forschung an der University of Missouri–St. Louis fort.

Die Laudatio anlässlich ihrer Auszeichnung verfasste Prof. Dr. Julia Bechteler vom Senckenberg-Institut für Pflanzenvielfalt (SIP) an der Universität Jena anlässlich der Jahrestagung der GfBS in Hamburg. Siehe englischsprachige Laudation (pdf) von Prof. Dr. Julia Bechteler.

Wolfgang Wägele ist seit 2016 Ehrenmitglied der GfBS. Foto: privat
Portrait von Wolfgang Wägele, seit 2016 Ehrenmitglied der GfBS

Prof. Dr. Wolfgang Wägele

(*1953)

Wolfgang Wägele war Direktor des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig (ZFMK) und gleichzeitig Professor für Spezielle Zoologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Professor Wägele ist Experte für Systematik und Phylogenie von marinen Krebstieren, insbesondere von Isopoda (Asseln). Aktuell behandelt er die Theorie der Kladistik und der molekularen Phylogenetik. Außerdem interessiert er sich für automatisierte Methoden der Biodiversitätserfassung für Monitoring. 2015 wurde der Zoologe Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz. In den Jahren 2003-2007 war er Präsident der Gesellschaft für Biologische Systematik, in der er sich seit deren Gründung im Jahr 1997 engagiert.

Die Laudatio anlässlich seiner Ernennung hielt Prof. Dr. Uwe Fritz während der Jahrestagung der GfBS 2016 in München.

Niels Peder Kristensen, Kopenhagen, war von 2007 bis 2014 Ehrenmitglied der GfBS. Foto: privat
Niels Peder Kristensen

Prof. Dr. Niels Peder Kristensen

(*1943 - †2014)

Niels Peder Kristensen war Entomologe und Systematiker und seit 1988 Mitglied der Königlich Dänischen Akademie der Wissenschaften. Er verfaßte mehrere bedeutende Werke über Insekten, vor allem über Schmetterlinge. Viele Wissenschaftler halten ihn für den bedeutendsten Phylogenetiker über Lepidoptera, wie Aspöck in Ihrer Laudatio schildert. 

Die Laudatio anlässlich seiner Ernennung hielt Prof. Dr. Ulrike Aspöck während der Jahrestagung der GfBS 2008 in Göttingen (siehe GfBS Newsletter Nr. 20, download pdf, siehe Seite 48ff).

Friedrich Ehrendorfer, Wien, war von 2004 bis 2023 Ehrenmitglied der GfBS. Foto: privat
Friedrich Ehrendorfer

Dr. phil., Dr. h. c., emer. o. Prof. Friedrich Ehrendorfer

(*1927 - †2023)

Friedrich Ehrendorfer gilt als einer der Wegbereiter der modernen Pflanzensystematik. Durch die Verknüpfung von karyologischen, molekularen und morphologischen Analysen hat er die vergleichende Evolutionsforschung und Biosystematik der Höheren Pflanzen maßgeblich vorangetrieben. Er war Mitherausgeber des Strasburger - Lehrbuch der Botanik für Hochschulen und initiierte einen Verbreitungsatlas der Gefäßpflanzen Europas. Sein großer Verdienst ist die interdisziplinäre Diskussion zwischen einzelnen botanischen Wissensgebieten.

Die Laudatio anlässlich seiner Ernennung hielt Prof. Dr. Johanna Eder während der Jahrestagung der GfBS am 15. September 2004 in Stuttgart (siehe GfBS Newsletter Nr. 13, download pdf, siehe Seite 14ff)

Peter Ax, Göttingen, war von 2003 bis 2014 Ehrenmitglied der GfBS. Foto: privat
Prof. Dr. Peter Ax

Prof. Dr. Peter Ax

(*1927 - †2013)

Forschungsschwerpunkte des in Hamburg geborenen Zoologen Ax waren die Mikrofauna des Meeresbodens, das sog. „Sandlückensystem“, wofür Ax eine eigene wissenschaftliche Zeitschrift gründete, die Mikrofauna marina. Ax entdeckte das erste im Sandlückensystem der deutschen Küste lebende Manteltier (Tunicata) und einen ganzen Tierstamm: die Gnathostomulida, die ebenfalls das Sandlückensystem bewohnen. Sein herausragendes Lehrbuch Das Phylogenetische System erschien nur drei Jahre später in englischer Sprache.

Aus einer Kurzbiographie im GfBS Newsletter Nr. 11 (download pdf, siehe Seite 15)

Die Laudatio hielt Prof. Dr. Rainer Willmann aus Göttingen am 17. September 2003 in Dresden (GfBS Newsletter Nr. 11, pdf, Seite 17ff)

Ernst Mayr, Cambridge, war von 2003 bis 2005 Ehrenmitglied der GfBS. Das Foto zeigt Ernst Mayr 1994 nach dem Erhalt der Ehrendoktorwürde an der Universität Konstanz. Quelle: Wikipedia, University of Konstanz, Creative Commons Attribution 2.5 Generic license
Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Ernst Mayr

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Ernst Mayr

(*1904 - †2005)

Der in Deutschland aufgewachsene Ernst Mayr war Evolutionsbiologe. 1942 erschien sein berühmtes Werk Systematics and the Origin of Species, das die neue Synthetische Evolutionstheorie mit begründete, welche die Disziplinen der Populationsgenetik, der Evolutionstheorie und der zoologische Systematik miteinander verbindet. Ähnlich bedeutend war das Buch Artbegriff und Evolution, das 1967 in Deutschland erschien.

Aus einem Kurzportrait im 11. Newsletter der GfBS (download: pdf, siehe Seite 16). Einen ausführlichen Nachruf auf Mayr schrieb Matthias Glaubrecht im Newsletter der GfBS (download: pdf, Nr. 14, Seite 11).

Die Laudatio hielt Prof. Dr. Jürgen Haffer aus Essen am 17. September 2003 in Dresden (GfBS Newsletter Nr. 11, pdf, siehe Seite 20ff)

Prof. Dr. Erich Thenius (links), Wien, erhielt am 19. September 2002 die Urkunde der Ehrenmitgliedschaft in der GfBS von Prof. Dr. Gerhard Haszprunar. Foto: GfBS
Prof. Dr. Erich Thenius

Prof. Dr. Erich Thenius

(*1924 - †2022)

Der Paläontologe Erich Thenius erforschte die Fauna des Tertiärs und des Eiszeitalters, die er in mehreren Hundert Publikationen beschrieb, darunter 30 Bücher. Sein Schwerpunkt war die Evolution der rezenten und fossilen Säugetiere. 1962 wurde er Professor für Säugetierpäleontologie und stellvertretender Direktor des Instituts für Paläontologie an der Universität Wien. Im Jahr 1987 wurde Professor Thenius Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, Nationale Akademie der Wissenschaften in Halle. 

Die Laudatio hielt Prof. Dr. Gerhard Haszprunar 2002

Einen ausführlichen Nachruf auf Thenius schrieben Gernot Rabeder und Friedrich Steininger im Newsletter Nr. 42 der GfBS (Seite 40).